Können gibt Sicherheit

Routine am Steuer kann zu Nachlässigkeiten verleiten. Fehlende Praxis kann Unsicherheit verursachen. Beides ist im Strassenverkehr gefährlich. Deshalb frischen Routiniers regelmässig ihr Wissen auf und fahren sicher.


Tipps:

Fahrten planen

  • In der kalten Jahreszeit Strassenzustandsbericht konsultieren. Bei Schneefall Ketten rechtzeitig montieren.
  • Fahrroute geschickt wählen, ökonomisch und ökologisch.
  • Ballungszentren wenn möglich nicht während des Stossverkehrs durchfahren.
  • Eine Ausweichstrecke ist möglicherweise sicherer und schneller als die gewohnte Route. Zum Beispiel während Stosszeiten oder bei Ferienreiseverkehr.
  • Im dichten Stadtverkehr frühzeitig auf den richtigen Fahrstreifen fahren.
  • Besser einen Häuserblock umfahren, als auf der Strasse zu wenden oder rückwärtszufahren.
  • Fahrzeiten grosszügig berechnen, besser etwas früher losfahren. Navigationsgeräte können Fahrzeiten erst berechnen, wenn der Motor läuft.

Abstand halten

  • Abstand zum Vorderfahrzeug: mindestens 2 Sekunden oder ein halber Tacho. Beispiel: 100 km/h = Mindestabstand 50 m.
  • Abstand vergrössern:

    • Am Steuer eines nicht vertrauten Fahrzeuges.
    • Wenn das Vorderfahrzeug nicht mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit fährt und nicht überholt werden kann.
    • Wenn das Vorderfahrzeug ausscheren kann (Sattelanhänger, Busse oder Fahrzeuge mit überhängender Ladung).

  • Abstand verdoppeln:

    • Bei schlechter Witterung.
    • In der Nacht.
    • Bei nasser, verschneiter, vereister oder mit Laub bedeckter Fahrbahn.

  • Eine Türbreite Abstand beim Vorbeifahren an parkierten Fahrzeugen. Oder verlangsamen auf Schritttempo.
  • Mindestens 1 m Abstand beim Überholen von Velofahrern, Skatern und Mofas.
  • Hinter Parkplatzsuchenden nicht zu dicht aufschliessen.

Voraus schauen

  • Beim Einfügen in den Verkehr, Wenden oder Rückwärtsfahren andere Strassenbenützer nicht behindern. Sie haben Vortritt.
  • Wenden ist verboten an unübersichtlichen Stellen und bei dichtem Verkehr. Empfehlung: Auf der Fahrbahn grundsätzlich nicht wenden.
  • Schlechte Witterung und Dunkelheit erschweren die Wahrnehmung. Deshalb: Geschwindigkeit anpassen.
  • Beim Rechts- wie beim Linksabbiegen: Blick zurück. 
  • In stehenden Kolonnen beachten: Velos und Mofas dürfen rechts vorbeifahren. Zweiräder deshalb im Blickfeld behalten. Achtung toter Winkel.
  • Bei Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel immer mit überquerenden Fussgängern rechnen.
  • An Kreuzungen mit grünem Lichtsignal und vor Bahnübergängen mit offenen Schranken: Kontrollblick.
  • Wildwechsel-Warnschilder unbedingt beachten. Besonders aufmerksam sein, Geschwindigkeit reduzieren.

Vortritt gewähren in geschwindigkeitsreduzierten Zonen

  • Tempo-30-Zone:

    • Besondere Vorsicht gegenüber Fussgängern, denn Fussgängerstreifen sind selten, (nur bei Schulen und Altersheimen).
    • Bei Kolonnenverkehr ist den Fussgängern das Überqueren der Strasse zu ermöglichen.
    • Für Fahrzeuge gilt grundsätzlich Rechtsvortritt.

  • Tempo-20-Zone (Begegnungszone):

    • Fussgänger und Fahrzeuge dürfen die ganze Verkehrsfläche benützen.
    • Fussgänger haben Vortritt. Sie dürfen jedoch die Fahrzeuge nicht unnötig behindern.

Richtig überholen

  • Nur überholen, wenn die Übersicht sehr gut und Wiedereinbiegen möglich ist. Keinem überholenden Fahrzeug folgen, das die Sicht nach vorne verdeckt (Lastwagen, Bus usw.).
  • Besondere Rücksicht auf Fahrzeuge, die überholt werden.
  • Vor dem Überholen:

    • Seitenblick – toter Winkel! Und Blinker links stellen.
    • Nicht zu nahe aufschliessen und anschliessend zügig vorbeifahren.

  • Beim Überholen beachten:

    • Angepasste Geschwindigkeit und Geschwindigkeitsdifferenz.
    • Verkehrsführung, Kreuzungen, Gegenverkehr, Strassenverhältnisse.

  • Rechts vorbeifahren gestattet:

    • Innerorts auf Strassen mit mehreren Fahrspuren.
    • Beim Verkehr in parallelen Kolonnen.
    • Auf Fahrspuren mit anderem Fernziel.

  • Auf keinen Fall überholen:

    • Busse an unübersichtlichen Haltestellen. Meistens folgt ein Fussgängerstreifen, der von aussteigenden Fussgängern überquert wird.

  • Durchgehend fahren verboten:

    • Auf der Überholspur, wenn das Vorderfahrzeug 200–300 m entfernt ist.
    • Auf mittleren Fahrspuren, wenn die rechte Spur frei ist.

    Wer überholt wird, beschleunigt nicht. Hat sich ein Überholer verschätzt: Tempo reduzieren, damit er wieder einbiegen kann. Nicht neben Zweirädern fahren. Entweder überholen oder hinten in der Spur bleiben.

Zeichen setzen

  • Jede Richtungsänderung rechtzeitig mit Blinker anzeigen: bei Einspuren, Fahrstreifenwechsel, Abbiegen, Überholen, Wenden, Eingliedern, Parkieren, Anhalten am Strassenrand.
  • Im Kreisel haben von links kommende Fahrzeuge Vortritt. Beim Verlassen des Kreisels rechts blinken.
  • Auf abbiegenden Hauptstrassen in Fahrtrichtung blinken.
  • Nach dem Überholen auf der Autobahn das Wiedereinbiegen mit Blinker anzeigen.
  • Unnötige Fahrstreifenwechsel vermeiden: Im Stadtverkehr Fahrspur frühzeitig wählen und Fahrspurwechsel mit Blinker anzeigen.
  • Vor dem Fussgängerstreifen früh genug abbremsen und ganz anhalten.
  • Blickkontakt mit Fussgängern, die die Strasse queren wollen. Keine Handzeichen geben.

Weg freihalten

  • Nicht halten oder parkieren, wo der Verkehr behindert oder die Sicherheit gefährdet wird.
  • Verlangsamen oder beschleunigen, um einem nicht vortrittsberechtigten Fahrzeug das Einfädeln in die Spur zu erleichtern.
  • Wenn grünes Licht oder die Polizei den Verkehr freigeben, sofort starten und zügig wegfahren. Freiwilliges Halten verboten:

    • Bei entsprechenden Markierungen.
    • An unübersichtlichen Stellen.
    • In Tunnels, Unterführungen und Engpässen, auf Einspurstrecken und Bahnübergängen
    • Neben Sicherheits- und Doppellinien, wenn weniger als 3 m frei bleiben.
    • Auf Fussgängerstreifen und näher als 5 m davor.
    • Auf Verzweigungen.

  • Parkieren verboten:

    • Bei entsprechenden Markierungen.
    • Auf Brücken, Radstreifen, Hauptstrassen ausserorts und innerorts, wenn weniger als 6 m frei bleiben.
    • Vor und nach Bahnübergängen (20 m / 50 m).
    • Vor Zufahrten.

  • Bei Verkehrsstockung:

    • Fussgängerstreifen, Verzweigungen, Bahnübergänge und -gleise freihalten.
    • Fahrzeugen aus Nebenstrassen die Weiterfahrt ermöglichen. Einfädeln lassen.
    • Trotz grünem Licht nicht fahren, wenn das Fahrzeug auf der Kreuzung zum Stehen käme.
    • Auf der Autobahn: Für Hilfe leistende Fahrzeuge eine Gasse zwischen den Fahrzeugkolonnen bilden.

  • In der Autobahneinfahrt:

    • Es gilt kein Vortritt. Beschleunigungsspur voll ausnützen.
    • Wenn nötig kurz auf dem Pannenstreifen weiterfahren, bis sich eine Einfahrtslücke bildet.

  • Auf der Autobahn:

    • Nicht unnötig links bleiben.
    • Bei drei Fahrstreifen den Streifen rechts benützen.
    • Beim Verlassen der Autobahn erst auf dem Verzögerungsstreifen bremsen.

Tolerant sein

  • Tolerieren heisst Nachsicht üben. Im Strassenverkehr macht jeder hin und wieder Fehler.
  • Der gute Fahrer verzichtet auch einmal auf sein Recht – und trägt damit zur Unfallprävention bei.
  • Keine Anpöbelungen anderer Verkehrsteilnehmender.
  • Auf Kinder, ältere Leute und Menschen mit Einschränkungen besonders Rücksicht nehmen.
  • Mit Fehlern anderer Verkehrsteilnehmender rechnen. Viele kennen nicht alle Verkehrsregeln, oder sie sind abgelenkt. Toleranz zeigen.
  • Langsame Fahrer nicht hetzen, nicht zu dicht auffahren. Drängler wenn möglich vorbeilassen.
  • Anderen Fahrzeugen den Fahrstreifenwechsel erleichtern, wenn sie falsch eingespurt haben.
  • Tolerant sein gegenüber Fussgängern, die zur Tram- oder Bushaltestelle eilen und deshalb die Fahrbahn queren müssen.

Fahrassistenz-System beherrschen

  • Moderne Fahrassistenzsysteme (FAS) können vieles. Zum Beispiel Fussgänger erkennen, die Fahrspur einhalten oder abbremsen, wenn die Höchstgeschwindigkeit erreicht ist.
  • Ein FAS entlastet den Fahrer – allerdings nur, wenn er das FAS kennt.
  • Unerwartete, weil unbekannte FAS-Aktionen, zum Beispiel akustische Signale, können den Fahrer ablenken und so zum Sicherheitsrisiko werden. Deshalb sollte jeder Autofahrer die Funktionen seiner FAS kennen und wissen, wie er sie richtig nutzt. Das lernt er zum Beispiel in einem Fahrsicherheitskurs.

Fahrzeug in gutem Zustand halten

  • Die Profilrillen der Reifen müssen auf der ganzen Lauffläche mindestens 1,6 mm tief sein, das ist gesetzlich vorgeschrieben.
    Empfehlung: Sommerreifen bei 3 mm, Winterreifen bei 4 mm Profiltiefe ersetzen.
  • Reifen spätestens nach 4 Jahren ersetzen. DOT-Nummer beachten. Beispiel: 4113 = hergestellt in der Kalenderwoche 41/2013.
  • Bei längerem Abwärtsfahren zurückschalten und bremsen mit der Motorbremse. Sie entlastet die mechanischen Bremsen und verhindert deren Überhitzung.
  • Ölmenge, Kühlflüssigkeit und Scheibenwischwasser regelmässig kontrollieren und auffüllen.
  • Navigations- und andere Fahrzeugsysteme sollen unterstützen, nicht ablenken. Sie nehmen dem Lenker nicht das Fahren ab.